Und schon wieder ein Freitag um 18 Uhr. Großartig! Abhetzen auf der Arbeit, in der Schule oder der Uni war angesagt. Dann ging es zum Spiel gegen den direkten Konkurrenten um die vorderen Plätze. Zumindest, wenn es nach dem Düsseldorfer Blätterwald ging. Denn der hatte in den Tagen vor dem Spiel gegen Ahlen nur eine Idee für die Roten Fäden seiner Texte: bloß nicht unterschätzen, bloß nicht vom Hinspiel blenden lassen. Das wiederum hatten wir noch gut in Erinnerung, als es einen souveränen 4:1-Sieg gab, die Sonne schien und selbst Bulykin traf. Heute sah‘s leider anders aus: Kein Bulykin, scheiß Wetter und mittlerweile starke Ahlener, die in den vergangenen fünf Auswärtsspielen nicht verloren hatten. Da unsere Heimserie aber bekanntlich auch nicht die schlechteste ist, gingen wir nicht gerade zitternd in die Partie.
Also rein in den 42er und schnell noch ein paar rot-weiße Ballons verteilen. Zum Einlauf der Mannschaft gab es dann ein ordentliches Intro aus besagten Luftballons und dem ganzen Rest, der leider immer noch viel zu selten auch während des Spiels gezeigt wird. Auf dem Rasen spielten die Ahlener dann trotz ihres Tabellenstandes in den ersten 20 Minuten gut mit und lieferten ein ordentliches Spiel ab. Wurden die etwa unterschätzt? Oh Gott, oh Gott.
Irgendwann hatten die Unseren dann aber genug gesehen und kamen durch Anderson wenige Minuten später zur Führung. Zwei Torschüsse später stand es auch schon 3:0. Hatten uns etwa die Ahlener unterschätzt? Am Ende stand es dann 4:0. Die Chancenverwertung unserer Mannschaft war Weltklasse und auch unser Neuzugang Oehrl bewies, dass er es kann. Ganz nebenbei erreichten wir durch den 283. Heimsieg in Folge die „magischen 40 Punkte“, die wir, also die, die die Ahlener nicht unterschätzen durften, für den Klassenerhalt brauchen.
Noch kurz die knallharten Ultra-Fakten: Auf der anderen Seite standen rund 250 Ahlener, die vor dem Spiel drei Mal den Standort wechselten und dann erst loslegten. Zwar kam weder akustisch, noch optisch groß etwas bei uns an, was bei dem Spielstand, der Tabellensituation der Gäste und der Anstoßzeit aber auch nicht zu erwaten war. Da gab es also nichts zu unterschätzen. Nichtsdestotrotz müssen wir uns bei dieser Gelegenheit mal an die eigene Nase packen. Es war ab der 20. Minuten ein sensationelles Spiel der Mannschaft. Und ein Sieg in dieser Höhe hätte definitiv mit mehr Leidenschaft und Elan gewürdigt werden müssen. Beim nächsten Mal heißt es also: lauter, ekstatischer! Einfach mal alle Hemmungen verlieren und bei solchen Ergebnissen richtig ausrasten. Vielleich reicht’s dann nächsten Montag auch zum Auswärtssieg. Aber Vorsicht: Aachen ist nicht zu unterschätzen.
Hurra, der Karneval ist da. Oder das, was der Durchschnitts-Ballermann-Tourist dafür hält. Denn der war in Augsburg wieder würdig und zu unser aller Glück auch zahlreich vertreten. Gleiches galt für die bayerische Polizei, die ihrem Ruf einmal mehr gerecht wurde und mit einer dermaßenen Arroganz und Unfreundlichkeit in die Fahnen-Tasche gucken wollte, dass man sich wünschte, einen Sprengstoffgürtel um zu haben. Hatten wir aber natürlich nicht. (Pflichtsatz, weil der spitzfindige Gunter A. sonst wieder auf verrückte Gedanken kommt.) So ging es Mitten im langweiligen und vor allem verschneiten Industriegebiet in das, was heutzutage Stadion genannt wird. Und ehrlich gesagt war das Teil von innen gar nicht so übel. Sieht zwar genauso aus wie Dresden, Aachen und wer sonst noch so in den vergangenen Jahren neu gebaut hat, aber irgendwie gefielen die steilen Tribünen.
Der Gästeblock war wie immer in dieser Saison gut gefüllt. (Was freuen wir uns auf Cottbus…) Besonders laut war er aber nur kurz vor dem Spiel. Dann traf der unausstehliche Thurk nach 2,3 Sekunden und schon war der Ofen weitestgehend aus. Hin und wieder sangen zwar dann doch mal mehr als 350 Leute der mit Bier trinken beschäftigten Karnevals-Gesellschaft im Block, spätestens nach dem 2:0 durch den ehemaligen Gladbacher Erfolgsgaranten Rafael ging aber fast nichts mehr. Der Mannschaft wurden dazu zum ersten Mal in diesem Jahr so richtig die Grenzen aufgezeigt, sodass die Motivation auf den Rängen, die Jungs noch mal richtig nach vorne zu schreien auch irgendwann weg war, weil jeder merkte, dass es kein Aufbäumen mehr geben wird. Selbstfeiern war angesagt.
Lustig wurde es dann noch mal am Ende, als die Augsburger ihren Sieg mit einer Humba feiern wollten, aber vom immer noch anständig gefüllten Gästeblock übersungen wurden und deswegen unterbrachen, um gegen uns zu pöbeln. Köstlich! Die FCA-Spieler wurden auf ihrer Ehrenrunde kurze Zeit später noch mit „Absteiger“ und „Außer Axel könnt ihr alle gehen“ verabschiedet. So ging es wenigstens mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen Richtung Heimat.
Dieser Tage fragt man sich manchmal, ob das noch alles real ist, was man so erlebt, oder ob nicht irgendwann doch eine Handfläche an die Wange klatscht und das alles nur ein Traum war. Eben noch standen wir mit 400 Leuten in Erfurt, verloren sang- und klanglos und schienen zur ewigen Drittklassigkeit verdammt. Und auf einmal melden die Düsseldorfer Blätter zwei Tage vor dem Topspiel im Aufstiegskampf der Zweiten Liga ein ausverkauftes Haus.
Dass das nicht immer unbedingt gut für die Stimmung ist, ist nichts Neues. Doch dieses Mal gibt es im Nachhinein kaum etwas zu meckern. Von Beginn an rockte der Block und selbst Leute in anderen Teilen des Stadions standen minutenlang singend auf den Tribünen für die Unseren. Die hatten das aber auch wirklich verdient. Kampf, Leidenschaft und Spielkultur, wie man sich es wünscht, sahen wir auf dem Rasen, wo Starke nach kluger Vorarbeit von Lumpi dann das 1:0 für Fortuna erzielte. Kurze Zeit später legte Harnik ein Ding der Marke „Tor des Jahres“ nach, was uns schon früh zum gemütlicheren Teil des Tages übergehen ließ. Minutenlange Ekstase im 42er war die Folge.
Das Ganze wurde nur durch brennende Bengalen und fliegende Sitzreihen aus dem Gästeblock unterbrochen, was für kurze Pfeifkonzerte sorgte – den Grund darf sich jeder selber überlegen – bevor weitergefeiert wurde. Irgendwann kurz vor Schluss erhob sich sensationellerweise fast das ganze Stadion, um den Rot-Weißen zu danken. Was für ein Potential in dem Kasten ist, hatten wir schon beim Aufstiegs-Spiel gegen Werder II gesehen. Warum das aber immer nur gegen Ende der Spiele möglich ist, erschließt sich keinem so richtig. Danach ging es zum gut besuchten Marsch, zum Freiligrathplatz und noch woanders hin. Was ein Tag!
Wieder Freitag, wieder 18 Uhr, wieder könnte man kotzen und die Übertragungswagen anzünden. Dazu kamen das nervige Wetter und durch die „Vorkommnisse“ in Paderborn und gegen Union die Ankündigung der selbsternannten Fanpolizei, jegliche „Störer“ dingfest zu machen und an die exekutive Kompetenz zu übergeben. Wir waren gespannt auf die Durchsetzung, die aber ausfiel, da alles was im Stadion passierte, den Grenzen und Regeln des DFB entsprach.
Weniger galt das für den Weg zum Stadion, der eher einer Sumpflandschaft glich und für dreckige Schuhe und Hosen sorgte. Noch mehr nerven konnte da nur der Stadionsprecher, der sein Mikro selbst nicht dann abschaltete, wenn er eigentlich gar nichts anzusagen hatte und so einen Teil seiner Privatgespräche durch das Stadion schickte. Das wiederum verunsicherte unsere Jungs auf dem Rasen wohl so dermaßen, dass sie – wie schon in Rostock – nicht bemerkten, dass auf einem verschneiten Geläuf andere Tugenden als Kurzpassspiel nötig sind und keinen Unterschied zwischen Auf- und Abstiegskandidaten erkennen ließen. Die Quittung gab es dann kurz vor Ende, als die tapfer kämpfenden Koblenzer durch ihre einzige gefährliche Aktion, selbstredend eine Ecke, das Siegtor erzielten und den eben erwähnten Stadionsprecher zu Höchstleistungen auf dem „Koblenz-Eins-Düsseldorf-Null-Gebiet“ veranlasste.
Danach war der Ofen dann aus beim mittlerweile erfolgsverwöhnten Düsseldorfer Publikum, das auf feiern, aber nicht auf einen Rückstand vorbereitet war. Bis zum 1:0 war es noch in Ordnung, vor allem wenn auch der Haufen auf der Sitztribüne mit einstieg, was leider viel zu selten der Fall war. So bekamen wir das, was wir für unsere Leistung verdient hatten: nichts.
Auf dem Rückweg gab es dann nur zwei Themen: Warum sind wir auswärts so schlecht? Und warum darf Koblenz mit diesem Stadion in der Zweiten Liga spielen? Zum ersten fanden wir keine Antwort. Zum zweiten nur ein müdes Lächeln. Gegen den modernen Fußball? Gegen sterile, standardisierte Hochsicherheits-Arenen? Für echte, alte Fußballstadien aus der Zeit, als alles besser war? Also früher? Dann pisst euch auch nicht an, wenn es mal regnet, schneit oder die Sicht auf den Platz nicht die beste ist. Oder habt ihr damals, als noch richtig angefeuert wurde, also spielbezogen, und das Fandasein ein einziger Traum aus Freiheit und Anarchie war, auch über fehlende Dächer und Heizstrahler gemeckert?
Das erste Heimspiel nach der Winterpause hatte es gleich in sich. Denn mit Union kam auch Kenan Sahin in unser Haus. Egozentrisch wie der fiese Söldner nun mal ist, faselte er in den Tagen vor dem Spiel auch gleich im Hetzblatt Express, dass er sich auf den Hass freue und mit Spruchbändern und Gesängen gegen ihn rechne. Da jedes verschwendete Blatt Papier aber zu viel für den gebürtigen Kölner ist, beließen wir es bei seiner Einwechselung bei einem dicken Pfeifkonzert, das aber leider keine Wiederholung mehr erleben konnte, da der „Torjäger“ danach kein einziges Mal mehr auffiel, geschweige denn aufs Tor schoss. Bis heute hat er übrigens sensationelle fünf Saisontore erzielt. Gänsehaut.
Leider auch nicht auffallen konnte unser Hamza, der seit Wochen nicht mehr vom Trainerstab berücksichtigt wird. Ein Streit mit Meier, Trainingsrückstand und ähnlicher Kram machten die Runde. Für uns aber kein Grund, einen Spieler, der seit Jahren zum Verein steht, immer alles gegeben hat und einer der wenigen ist, der Fortuna wirklich im Herzen hat, vorschnell links liegen zu lassen und in die Regionalliga-Mannschaft zu schicken. Also gab es von uns eine Tapete: „Für euch einer von vielen. Für uns einer von wenigen. Ultras love Hamza!“, stand drauf und sollte ihn etwas aufheitern, was laut seiner Antwort in der Stadionzeitung auch ganz gut geklappt zu haben scheint.
Irgendwie ´ne Menge Fußball, oder? Ja. Und die Squadra legte noch einen nach: „Zu Hause eine Macht, wird Union heut platt gemacht – seit 265 Tagen ungeschlagen“ war im Block zu lesen. Das Ganze schmückten die 42er mit Pilsuntersetzern, einigen kleinen Transpis, einem großen Herz und den Logos von Stadt, Verein und Gruppe. Dazu erlebte unsere neue Soundanlage ihre Premiere. Danke noch mal an alle Spender.
Die Stimmung war dann durch das starke Spiel unserer Jungs ebenfalls nicht zu verachten. In Sachen Tifo rissen wir aber wieder einmal keine Bäume aus. Was gehen könnte, sahen wir, als nach einer Ansage plötzlich doch jeder seine Fahne auf dem Sitz wiederfand. Wacht mal endlich alle auf und zeigt mehr Engagement, die Dinger jedes Mal zu präparieren, ist verdammt viel Arbeit. Dass hingegen aus dem Gästeblock nicht viel kam, lag darüber hinaus an der erneut unverschämten Anstoßzeit, die es gerade einmal 700 Berlinern erlaubte, nach Düsseldorf zu kommen.
Zum Abschluss noch einige Worte an die Leute, die meinen, aus Block 42 ihre Feuerzeuge oder Getränkebecher in Richtung Spielfeld zu werfen: Wir werden sicherlich niemanden denunzieren, bei Polizei oder Ordnungsdienst verpfeifen. Sollten wir aber Leute in den kommenden Spielen bei solchen Gehirnleistungen erwischen, werden wir ganz persönliche Kurvenverbote verteilen. Zu lange haben wir uns diesen Schwachsinn angesehen. Jeder kann sich darauf gefasst machen, sicherlich nicht freundlich zum Ausgang gebeten zu werden. Wenn ihr volltrunkene, hirnlose Proleten bei jedem Lied schweigt, euren „Emotion“ aber dann so freien Lauf lasst, seid ihr bei uns falsch. Verpisst euch!
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