Ultras DüsseldorfUltras Duesseldorf 2000

Stellungnahme Cottbus

Samstag, 17. April 2010

Wer seit Jahren regelmäßig auswärts fährt, kommt schnell zu dem Schluss, schon alles gesehen oder erlebt zu haben. Jede erdenkliche Ungerechtigkeit, jede Gängelung, jedes unsinnige Verbot und jede Freiheitsberaubung von Seiten der Polizei oder sonstigem Sicherheitspersonal. Penibelste Kontrollen durch aggressive und unfreundliche Ordner schocken hierzulande ebenfalls keinen mehr. Doch es gibt für alles Grenzen, die am vergangenen Samstag beim Auswärtsspiel bei Energie Cottbus klar übertreten wurden.

Schon bei den Einslasskontrollen wurden die Fortuna-Fans nicht nur bis zu drei Mal kontrolliert, sondern dabei auch noch mehrmals beleidigt und in Einzelfällen sogar bedroht. Bei jeglichem (verbalen!) Widerstand drohte das aggressive Personal sofort mit Haus- und sogar Stadionverbot – als könnte es so etwas aussprechen. Der Höhepunkt war dann die rassistische Beleidigung gegen einen Fortunen.

Stadionordnung Cottbus

Im Block kam es zu den nächsten Provokationen. Während wir unsere Mannschaft für eine tolle Saison feierten, wurden wir von verschiedenen Ordnern bespuckt und konnten uns Sprüche wie „Scheiß Linke!“ anhören. Ihre Ziele waren vor allem südländisch und vermeintlich links aussehende Fans. Der Höhepunkt der Aggressivität des „Sicherheitspersonals“ wurde spätestens mit dem Treffer zum 2:1 für Cottbus erreicht. Erst jubelten die in der Nähe stehenden Ordner provozierend in unsere Richtung, dann stießen sie einen der Unseren nieder, als er an zwei Securitymännern vorbei ging. Ein weiterer Fortunafan, der eingreifen wollte, wurde ebenfalls sofort die Treppe herunter gestoßen.

Als das Teile des Blocks mitbekamen, hatten die anwesenden Düsseldorfer endgültig genug und machten deutlich, was sie von solchen Methoden halten. Sie drängten die mittlerweile teils vermummten Ordner aus dem Block. Als diese dann mit Pfefferspray, rassistischen und sonstigen Beleidigungen antworteten, rief der Fortuna-Anhang geschlossen: „Nazis raus!“

Durch das schnelle Eingreifen unserer Fanbeauftragten beruhigte sich die Situation innerhalb weniger Minuten. Am Ende gab es zum Glück nur leichtere Verletzungen, doch die Wut schmerzt vielmehr, als es jede Wunde könnte.

Wie können solche Leute überhaupt von einem Fußballverein – vor allem am Gästeblock – engagiert werden? Zumal vor unserem Spiel schon Beschwerden und negative Berichte von anderen Fangruppen vorlagen. Haben sich die Verantwortlichen in Cottbus, die sich selber laut Stadionordnung gegen Rassismus aussprechen, diese Leute mal genauer angesehen? Oder warum guckt die sicherlich immer zahlreich am Gästeblock vertretene Polizei dort eigentlich nicht mal etwas intensiver hin, wenn dort verfassungsfeindliche Symbole zur Schau getragen werden? Sind Straftaten und Übergriffe im Drehbuch immer nur von Fanseite aus vorgesehen?

Bei unserer Kritik geht es uns um drei fundamentale Dinge:

• Wie ist es möglich, dass Sicherheitskräfte (!) rassistische Symbole so offenkundig zeigen und ihre Gesinnung so deutlich zeigen können?

• Wie ist es möglich, dass angeblich geschultes Personal so aggressiv und provozierend vorgeht? Wir wollen hier nicht das dämliche Klischee vom Nazi-Ossi pflegen. Hätten sich die Ordner genauso verhalten, aber eben keine Politik mit ins Spiel gebracht, wäre dieselbe Situation entstanden.

• Außerdem prangern wir die generelle Entwicklung in den Gästeblöcken der oberen Ligen an: Immer mehr Vereine setzen dort externe Security-Dienste ein. Gruppen von Anabolika-verseuchten Vollproleten, die ohne Fein- und Fingerspitzengefühl aggressiv zu Werke gehen und die meist fröhliche Stimmung dadurch erst aufheizen.

Häufig eskaliert die Situation nur durch das Auftreten der „Sicherheits“-Experten, die willkürliche Verbote aussprechen, diese aber niemals begründen und Nachfragen arrogant ablehnen. Dabei blieb es aber „erstaunlicherweise“ immer dann ruhig, wenn Ordner aus Düsseldorf zu den Auswärtsspielen mitfuhren und die lokalen Sicherheitskräfte unterstützten. Denn diese kennen die meisten Fans, können vermeintlich brenzlige Situationen besser einschätzen und schneller schlichten. Die Ordner selber sind in der Szene ebenfalls bekannt und akzeptiert. Deshalb kann nur das die Lösung sein. Wer aber weiter nur auf Repression, lächerliche Verbote und hartes Durchgreifen setzt, wird immer wieder Szenen erleben wie am Samstag in Cottbus.

Nach den jüngsten Erlebnissen fordern wir ein konsequentes Vorgehen von Fortuna Düsseldorf, Energie Cottbus, DFB und DFL! Unsere großen Hoffnungen nach der überwältigenden Solidarität unter den Fortuna-Fans und den zahlreichen Augenzeugenberichten wurden nach den erschreckend zurückhaltenden Aussagen von Energie Cottbus aber bereits wieder gedämpft. Denn Behauptungen, die Kritik am Ordnungsdienst wäre nicht bekannt gewesen, und die Versicherung, die Szenen „geräuschlos“ aufzuklären, waren und sind völlig fehl am Platz. Dass der Verein nun sogar behauptet, die zwei Hauptbeschuldigten hätten keine faschistischen Parolen von sich gegeben, ist nicht nur sachlich falsch, sondern auch moralisch eine Farce.

Anstatt sich der Thematik zu stellen und damit die generelle Diskussion über private Sicherheitsdienste beim Fußball in die Öffentlichkeit zu tragen, schiebt er einen kleinen, alles relativierenden Text vor und verabschiedet sich aus der Nummer. Dabei ging und geht es uns nicht nur um die beiden Ordner, die während der Einlasskontrolle rassistische Beleidigungen losließen, uns geht es um das Verhalten so gut wie jedes Ordners über mehrere Stunden. Wir reden hier nicht über einen kleinen, unbeabsichtigten Fauxpas, wir reden über systematisches aggressives Verhalten und gezielte Provokationen, die in der Eskalation enden mussten. Dazu müssen sich Energie Cottbus und vor allem auch der Sicherheitsbeauftragte äußern.

Aber auch DFB und DFL müssen nun beweisen, dass ihre Aktionen gegen Diskriminierung nicht allein bloße Lippenbekenntnisse sind. Wenn die Verbände wirklich etwas gegen Rassismus und Gewalt unternehmen wollen, müssen sie sich auch um die andere Seite kümmern und die Schuld nicht immer bei den Fans suchen. Es darf nicht weiterhin mit unterschiedlichem Maß gemessen werden. Während Vereine für Pyro-„Vergehen“ utopisch hohe Summen bezahlen müssen und einzelne Fans für das Kleben eines Stickers Stadionverbote bekommen, kümmern sich DFB und DFL nur wenig um gewalttätige und rechtsradikale Ordner.

Von unserem Verein erwarten wir vollste Solidarität, dass er unsere Forderungen unterstützt und bis zum Äußersten geht, um unser Recht zu erkämpfen. Eine öffentliche Stellungnahme, die sich auch klar an die Adresse von Energie Cottbus wendet, ist bereits überfällig und das Mindeste. Da wollen wir auch kein Phrasengedresche erleben, sondern klare und unmissverständliche Ansagen!

Energie Cottbus wünschen wir, dass die Bekenntnisse aus der Stadionordnung nicht weiterhin leere Worte bleiben und der Verein diese in Zukunft auch auf sein eigenes Personal anwendet.

Ultras Düsseldorf 2000!

 

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