
Seit nunmehr rund vier Jahren ist das neue Rheinstadion in Düsseldorfs Norden unsere Heimat. So hoffnungsvoll wir dem Neubau der alten Schüssel anfangs auch gegenüberstanden und so euphorisch die Stimmen nach der Eröffnung gegen Union Berlin vor fast 40.000 Zuschauern auch waren, so schnell machte sich unter dem aktiven Stimmungskern im Ligaalltag Ernüchterung breit.
Ein viel zu großes Stadion, keine Stehplätze, keine fanfreundliche Umgebung und massig neue Zuschauer, die Stimmung und Atmosphäre nur konsumieren wollten, behinderten uns von Beginn an, unserer Fortuna die Leidenschaft entgegen zu bringen, die sie verdient hat. Leider war es nicht möglich, abgesehen von einigen ganz wenigen Ausnahmen, die Südkurve zum Kochen zu bringen. Zu viele Leute nutzen die Südtribüne nur aus Preisgründen und wollten und wollen nicht den Mund aufmachen, während die Aktiven häufig zu weit auseinander standen.
Der Ruf nach einem eigenen Ultra-Block, der die Mannschaft nach seinen Wünschen und Vorstellungen nach vorne schreit, wurde immer lauter. Zu Beginn des Fußballjahres 2008 hatten wir dann endgültig genug vom tristen Heimspielalltag und entschlossen uns, aus der Mitte der Kurve in den Eckblock zu ziehen. Das Ziel war nicht nur, die Sangeswilligen zu bündeln, sondern vor allem auch die Art und Weise des Supports grundlegend zu ändern und verbessern.
Wir wollten weg vom Einheitsbrei deutscher Stadien: „Auf geht’s XYZ Jungs“, „Schalalalalaalala XYZ“, „Immer wieder, immer wieder XYZ“, um nur einige Beispiele zu nennen, bei denen beliebige Vereinsnamen oder -farben ausgetauscht werden können. Weg von Kompromissen denen gegenüber, die nur dann ihre Mäuler aufreißen, wenn das Team wahlweise 3:0 führt oder 0:3 zurückliegt. Weg von Sätzen wie „Fahne runter“. Weg von Alteingesessenen, die sich ihrer Identität oder verklärten Jugend beraubt fühlten und der kompletten Bewegung von Vornherein mit Ablehnung begegnen und den Geist der Ultra-Kultur nicht im Ansatz verstehen.
Dennoch war der Umzug kein Davonlaufen, keine Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit, sondern ein Schritt hin zu unserer Selbstverwirklichung und zu einer nachhaltigen Änderung der Düsseldorfer Fanlandschaft. Hin zu einer individuellen Szene, die sich von der Masse durch Kreativität, Individualität, Optik und Lautstärke positiv abhebt.
Das heißt im Umkehrschluss aber keinesfalls, alles, was in den vergangenen Jahrzehnten rund um unsere Fortuna aufgebaut wurde, nun zu belächeln oder gar als „kuttig“ abzulehnen. Aber leider handelt es sich bei den oben angesprochenen Gesängen um Lieder, die von anderen Kurven abgeguckt wurden und in jedem anderen Stadion auch gesungen werden. Und genau das kann nicht unser Anspruch sein. Wir wollen die verhassten Kölner, Gladbacher oder Essener nicht mit den gleichen Argumenten schlagen. Wir sind Fortuna, wir sind Düsseldorf. Wir waren schon immer anders.
Deswegen lehnen wir nicht pauschal alles ab, was bis zum Jahr 2000 in unserer Kurve gesungen wurde – im Gegenteil. Viele der alten Klassiker liegen uns sehr am Herzen und wir werden dafür sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Sei es „Mer sind alles Düsseldorfer Jonges“, das Altbierlied oder der ein oder andere Klassiker der Toten Hosen. Das alles ist Düsseldorfer Identität, das alles ist ein großes Stück Heimat.
Doch unser Block 42 soll mehr sein als eine bloße Fankurve mit Hang zum Lokalpatriotismus und Animateur des Restvolkes. Er soll allen eine Heimat bieten, für die Fußball mehr ist, als 90 Minuten regungslos auf den Rasen starren oder den Helden auf dem Rasen bedingungslos zuzujubeln. Mehr als Tabellen, Transfers und immer neue irrwitzige Verbote und Regularien, um das Produkt Fußball und die Marke Fortuna besser verkaufen zu können. Er soll eine echte Einheit werden. Trotz der viel beschworenen Individualität, soll er vor allem eins vermitteln: Gemeinschaftsgefühl.
Wer bei uns im Block steht, ist niemals alleine. Hier treffen sich Freunde und Bekannte, die das Stadionerlebnis nach ihren Wünschen und Vorstellungen gestalten wollen: laut, bunt, wild, aber vor allem immer mit einem kritischen Blick auf die ganzen weltfremden Entscheidungsträger und Gewinnmaximierer, die in unserer Liebe vor allem eins sehen: einen Absatzmarkt ihrer Produkte.
Wir folgen nicht blind. Nicht den Medien, die in uns als Feindbild Nummer eins und diejenigen ansehen, die die grenzenlose Fußballparty stören. Nicht den Verbänden, die uns mit uns mit willkürlichen Anstoßzeiten außen vorlassen wollen. Nicht den „Ordnungskräften“, die uns durch Verbote und Repressionen mundtot machen wollen. Und nicht mal unserem eigenen Verein, der durch hohe Eintrittspreise Sozialschwächere ausgrenzt und die Schuld am eigenen Versagen häufig bei anderen sucht.
Nein, all das machen wir nicht und werden es nie tun. Wir sind frei. Frei in unseren Gedanken, frei in unserem Handeln. Unsere einzige Verpflichtung haben wir gegenüber unserer Kurve und unserer Fortuna, die wir nicht als einen spießbürgerlichen Verein mit selbstgerechten Vertretern ansehen, sondern als ein nicht greifbares Lebensgefühl, als die Seele der Stadt, als den Treffpunkt der mündigen Jugend, die etwas verändern will.
Geht diesen Weg also mit uns und kommt in den Block 42, wenn ihr etwas verändern und aufbauen wollt.
Liebt Fortuna – lebt Ultra!
In EUREM neuen Block 42 solltet ihr …
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