Es gab einmal eine Ultrabewegung auf dem Balkan – lange ist es her. Die Perversion, die dort gerade überhand nimmt und vor einigen Tagen schon den jungen Fan von Toulouse, Brice Taton, das Leben kostete, ist mit Worten nicht mehr zu beschreiben.
Fußballkultur? Fankultur? Fangen wir doch erstmal mit Zivilisation und grundlegender Sozialisation an. Ich tue mir schwer, von menschlicher Zivilisation zu schreiben, wenn ich an die Geschehnisse vom 4. Oktober denke. Dem Tag, als „Pulja“ Vedran Puljic das Leben lassen musste. Durch eine Kugel aus einer Pistole, die ihn aus drei Metern Entfernung in den Kopf traf, durchs Ohr eintrat und im Vorderlappen des Gehirns stecken blieb. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Insgesamt 15 Personen meldeten sich in Krankenhäusern wegen Schussverletzungen – einem jungen Horde Zla musste am Montagmorgen nun sogar der Lungenflügel amputiert werden. Ein anderer wurde an der Niere operiert.
Letzterer war auch kein Unbekannter in Düsseldorf, denn vor deren UEFA-Cup-Auftritt in Genk war dieser mit einer Gruppe Sarajevoer Ultras auf der Kiefernstrasse beim Los Fastidios Konzert und danach mit einigen von UD in der Altstadt unterwegs. Es ist schwer, die Fassung zu behalten, wenn plötzlich Szenen, die man bei Straßenkämpfen zwischen Banden in Nairobi oder Manila vermutet, nun eine Flugstunde entfernt geschehen und man mit einem der Ultras, der dort blutend und schwer verletzt in Brijeg auf dem Boden liegt, schon ein Alt und einen Killepitsch getrunken hat. (weiterlesen…)
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